Phila Kinderling Logo
Das interaktive Online-Magazin für Kinder, Eltern und Großeltern
Phila

Kinderling: Hasenstory

Ein unfolgsamer Hasenjunge Bild 7

Ein unfolgsamer Hasenjunge

Es war einmal eine große Hasenfamilie. Diese Familie bestand aus
einem Vater, einer Mutter und sechs Hasenkindern, davon waren zwei
Mädchen und vier Jungen.

Diese Hasenkinder hatten ein braunes Fell, niedliche, kleine Pfötchen
und ein kleines Stummelschwänzchen. Sie waren wie runde Bällchen
und sehr verspielt. Den ganzen Tag tollten sie im Hasennest herum
und freuten sich ihres Lebens.

Schnell verging die Zeit, und sie wurden größer und hatten in dem
Nest keinen Platz mehr. Auch wuchs ihre Neugierde und
Abenteuerlust, und sie begannen immer weitere Ausflüge zu machen,
zunächst aber nur so weit, dass sie ihre Eltern und Geschwister noch
sehen konnten.

Wenn die Eltern auf Nahrungssuche gingen, nahmen sie die Kinder
mit und zeigten ihnen ihre Freunde und warnten sie vor ihren Feinden.
Da war einmal auf ihremWeg ein flinkes Eichhörnchen.

„Guten Tag, Nachbarin“, grüßte die Hasenmutter, „wie geht es dir
heute?“ – „Mir geht es recht gut, bloß habe ich immer viel Arbeit mit den
lieben Kinderlein, sie haben stets großen Hunger, der gestillt werden
muss,“ antwortete die Eichhornmutter. „Ja, ja, das kennen auch wir,“
meinte die Häsin und ging mit ihrer Familie weiter.

Die Kinder hatten an diesem Ausflug ihren Spaß, denn sie sahen viele
Neuigkeiten, die sie bis dahin nicht gekannt hatten.

So trafen sie kleine und große Käfer, Frösche und Eidechsen, kamen
an bunten Blumen und hohen Bäumen vorbei und entdeckten am Ziel
ihrer Wanderung ein großes, grünes Kohlfeld, wo sie herzlich zu
schnabulieren begannen.

Alle Hasenkinder waren recht zufrieden, bis auf den ungeduldigen,
unfolgsamen Hans. Er wartete schon die ganze Zeit auf eine günstige
Gelegenheit, um sich auf eigene Wege zu machen, obwohl es vom
Vater strengstens verboten worden war.

Als nun alle anderen genüsslich Kohl fraßen, schlich er ganz leise
durch die dichten Reihen und rannte querfeldein davon. Ach, ist das
schön, dachte er, einmal nicht nur das machen zu können, was die
Eltern anordnen, sondern nach eigener Lust und Laune die Welt zu
erkunden!

Nach einem raschen Lauf setzte er sich erst mal ein wenig hin, um
sich zu orientieren. Noch kannte er sich gut aus, also war alles in
Ordnung.

Er lief nach rechts weiter und kam auf eine schöne, grüne Wiese. Da
sah er große Tiere, die mit ihrer langen Zunge Grashalme in ihr Maul
schaufelten. Er hatte keine Angst vor ihnen, denn sie sahen so
gutmütig aus.

So trat er nahe an sie heran, grüßte höflich und fragte: „Wer seid ihr?
Ich habe euch noch nie gesehen.“ – „Wir sind Kühe und fressen uns
auf derWeide satt. Abends gehen wir in unseren Stall und geben dem
Bauern unsere Milch ab, damit die Menschen sie trinken können“,
sagte eine Kuh.

Mehr Zeit nahm sie sich aber nicht und kümmerte sich auch nicht weiter
um den Hasen. Hans sah den fressenden Kühen noch eine kleine
Weile zu, dann wurde es ihm aber langweilig, und er setzte seinen
Weg fort.

Er kam an ein kleines Bächlein. Nachdem er so viel gelaufen war, hatte
er Durst und trank ein wenig von dem klarenWasser. Plötzlich quakte
es ganz in seiner Nähe, und ein dicker Frosch hüpfte an Land.

Hans erschrak etwas, beruhigte sich aber sehr schnell, weil ihm der
Frosch sympathisch war. Der Frosch allerdings war vom Anblick des
Hasen nicht begeistert und sprang, ohne einWort zu sagen, zurück ins
Wasser. Das tat dem Hasen Leid, denn er hätte sich gerne ein wenig
mit ihm unterhalten.

Doch der Tag war noch nicht zu Ende, und so lief Hänschen weiter am
Bach entlang. Er scheuchte eine Eidechse aus ihrem Versteck auf,
jagte vielen bunten Schmetterlingen hinterher und verlor allmählich
die Orientierung.

Darüber machte er sich vorerst aber keine Gedanken. Er hatte sich an
verschiedene Geräusche der Wiese und des Feldes gewöhnt und
dachte, es könne ihn nichts mehr erschrecken.

Wie begann er aber zu zittern, als dicht hinter ihm ein großer Hund zu
kläffen begann! Er hatte zwar noch nie einen Hund gesehen, aber sein
Vater und seine Mutter hatten ihm oft vorgemacht, wie die Hunde
bellen und ihn davor gewarnt, ihnen in die Nähe zu kommen.

Plötzlich hörte er in Gedanken all die mahnenden Worte seiner Eltern
und wäreamliebsten gleich zurück in ihren Schutz geflüchtet.

Das ging aber leider nicht, denn er wusste nicht mehr, aus welcher
Richtung er gekommen war. Nun war guter Rat teuer. Er suchte sich
ein sicheres Plätzchen hinter einem Strauch, hielt den Atem an und
hoffte, der Hund würde ihn nicht entdecken.

Er wusste noch nicht, dass Hunde eine sehr gute Nase haben und
durch ihren Geruchssinn die Beute finden, auch ohne sie zu sehen. So
geschah es auch diesmal.

Der große Hund kam, mit der Nase auf der Erde schnuppernd, immer
näher an Hans heran und hätte ihn sicherlich erwischt, hätte nicht ein
Junge, der die Gefahr für den Hasen erkannte, seinen Hund ganz
energisch zurückgepfiffen. Der Hund folgte widerwillig seinem
Herrchen und ließ von unserem Hänschen ab.

Hänschen zitterte noch eine ganze Weile aus Furcht, der Hund könne
zurückkommen, aber er kam zum Glück nicht wieder.

Nun begann unser Hasenjunge intensiv nach dem richtigen Weg zu
suchen. Er hatte für heute genug Abenteuer erlebt. Er fand den
Heimweg aber nicht, und so legte er sich müde und verzweifelt in eine
Erdkuhle und begann zu schluchzen.

Seine Eltern und Geschwister hatten lange schon gemerkt, dass Hans
weggelaufen war und sich große Sorgen um ihn gemacht. Allmählich
begannen sie ihn zu suchen.

Sie suchten auf der Wiese, suchten auf der Kuhweide und hatten
großes Glück, dass die eine Kuh gesehen hatte, wohin Hans gelaufen
war.

Sie zeigte ihnen die Richtung. Hans war ja aber immer weiter und
weiter gelaufen und da, wo die Hasenfamilie suchte, war er längst nicht
mehr. Sie fragten alle Tiere, die sie trafen, nach Hans. Manche hatten
ihn gesehen und manche nicht.

Endlich, es begann schon zu dunkeln, bekamen sie auf ihre lauten
Rufe eine leise Antwort. Hans war noch so unter Schock, dass er kaum
reden konnte, und er schämte sich sehr vor seinen Eltern und
Geschwistern, weil er wieder einmal so unfolgsam gewesen war.

Als seine Eltern ihn endlich fanden, saß er in seinem Versteck und
weinte noch immer still vor sich hin. Es war ein Bild zum Erbarmen.
Seine Eltern nahmen ihn in die Arme, und sie gingen gemeinsam nach
Hause, froh, unseren Hans unversehrt gefunden zu haben.

Am nächsten Tag, als Hans sich wieder beruhigt hatte, musste er alles
genau erzählen. Er ließ nichts aus, das Gute nicht und auch nicht das
Böse. Er versprach hoch und heilig, nicht mehr allein fortzulaufen,
immer zu folgen und seinen Eltern und Geschwistern keinen Kummer
mehr zu machen.

An dieses Versprechen hat er sich auch brav gehalten.

Als PDF herunterladen



Vorschau auf das Winterheft
  Lernen Durchleben

  Leben Durchlernen


Wir über uns     |     Kontakt     |     Impressum